Erlebnis-Wow

Im Haus 5 der Maximilian-Kolbe-Schule werden die Jüngsten unserer Schüler-innen und Schüler unterrichtet, hier sind die Klassen 1 bis 7 beherbergt. Die Wände auf den Fluren sind mit Kinder-zeichnungen und Kunstwerken geschmückt, Spielgeräte sollen die Pausenzeiten verschönern und den Kindern dazu verhelfen, den doch recht langen Schultag in einem einladenden Setting zu verbringen. Für unsere Schülerinnen und Schüler stellt die Schule einen wichtigen Lebensraum dar:  Hier können sie sich entfalten und werden so angenommen wie sie sind. 

Betritt man die Pflegeräume im Haus 5 fühlt man sich jedoch ein wenig wie in einer Zeitkapsel. Die einen mögen von „Retro-Chic“ sprechen, andere hingegen sprechen von einem in die Jahre gekommenen Pflegebad, das man am liebsten so schnell wie möglich verlassen möchte. Fliesen, die mittlerweile keiner mehr gänzlich zu reinigen in der Lage ist, nicht definierbare Flecken an den Wänden (von denen eigentlich auch niemand die genaue Herkunft erfahren möchte) und ein Mobiliar, das leider nicht mehr als „Vintage“ durchgehen würde! Die Schränke sind zu klein, sodass sich auf diesen Verpackungen von Windeln, Fechttüchern sowie Wechselwäsche bis zur Decke stapelt. Einige Schränke beklagen den altersbedingten Verlust ihrer Schranktüren, wodurch sie nun als Regale genutzt werden. Klingt klug, doch zum einen führt der Anblick eines voll-gestopften Regals nicht zu einer „Wohlfühlatmosphäre“, zum anderen fühlt sich die Nutzung dieser Aufbewah-rungssituation häufig wie eine große „Tetris-Challenge“ an: Du willst eine Sache herausnehmen und sorgst dafür, dass sich der ganze Wust an Materialien zu deinen Füßen ergießt! Aber Gott sei Dank stehen aus diesem Grund auch immer mal wieder zahlreiche Stühle im Pflegebad- denn wer kennt ihn nicht: den Stuhl, auf dem man so wunderbar Dinge ablegen kann, weil man so recht nicht weiß wohin damit…

Alles in allem erhält man durch die undefinierbaren gelb-beigen (oder sind es doch weiße?) Kacheln, die rostroten, teilweise gesprungenen, Bodenfliesen und das eher triste, zusammengewürfelte und in die Jahre gekommene Interieur bei Betreten des Pflegebades den Eindruck, man befände sich in einem Krankenhaus –  einem doch recht in die Jahre gekommen-en Krankenhaus! Damit verbunden ist automatisch das Gefühl, dass man möglichst schnell weg möchte. Macht man sich dann bewusst, dass einige unserer Schülerinnen und Schüler an diesem Ort jeden Tag gezwungener-maßen bis zu eineinhalb Stunden verbrin-gen, wird recht schnell deutlich, dass dies nicht erstrebenswert ist.!

Es ist uns wichtig, dass die Mädchen und Jungen unserer Schule sich wohlfühlen – und das nicht nur in ihrem Klassenraum oder auf dem Schulhof und den Fluren! Gerade die intensivpädagogischen Schülerinnen und Schüler verbringen einen sehr großen Teil des Schultages in den Pflegebädern. Hier geht es nicht nur darum, so schnell wie möglich eine Windel zu wechseln. Es geht darum, sich Zeit zu nehmen und diesen sehr per-sönlichen und intimen Akt in einer Atmosphäre zu erleben, die zum Wohl-fühlen und Runterkommen einlädt. Es sind genau diese Momente, in denen man für 15 oder 20 Minuten das Gewusel der Klassenraumes verlässt und die Schülerin oder der Schüler im Fokus stehen.

Zu einem solch entspannten Wohl-fühlmoment gehören neben einem neuen, hochmodernen Deckenlifter und neuen Schränken auch Wandfarbe und Fliesen, aber auch das eine oder andere weitere Detail.

Da unsere Schülerinnen und Schüler in ihren Wahrnehmungs-, Kommunikations-, und Bewegungsfähigkeiten häufig stark beeinträchtigt sind, gestalten wir nun zwei der Pflegebäder im Haus 5 so, dass diese für unsere Schülerschaft zu einer basalen Stimulation, also zu einer Aktivierung verschiedener Sinnesbereiche, beitragen können. Neben bewussten Berührungen möchten wir gern auch auditive Angebote, vibratorische Anregungen sowie olfakto-rische Reize einsetzen, um die Mädchen und Jungen so durch eine ganzheitliche, körperbezogene Kommunikation zu för-dern. 

Wir gestalten für unsere Schülerinnen und Schüler einen Erlebnisraum, in dem sie während der Pflege beispielsweise eine Reise durch eine Unterwasserwelt erleben dürfen. Dazu reichen uns jedoch nicht nur blaue Schränke mit Schiebetüren, eine verbesserte Lage des Waschbeckens sowie der Toilette, denn das ist zwar praktisch, aber führt (leider) zu keinem „Erlebnis-WOW!“.

Und weil wir genau dieses Gefühl herbeiführen wollen, stelle man sich einmal vor, wie aufregend eine Pflege-situation sein könnte, wenn eine Musik-anlage die gesamten Vorgänge mit passenden Geräuschen versieht… Wenn das Hoch- und Runterfahren der Pflege-liege von Wellengeräuschen oder den Klängen eines Wasserfalls begleitet werden würde… Wenn man an den Wänden Bullaugen fände, in denen man eine nachgestellte Unterwasserwelt beobachten könnte, oder man Unterwassertiere an der Decke entdeckt, die durch einen Projektor erzeugt werden. Die Wasserbläschen könnten unsere Schülerinnen und Schüler von der Pflegeliege aus nicht nur in den Wassersäulen beobachten, sie könnten sie durch die Seifenblasenmaschine sogar am Körper vorbeischweben sehen oder sie gar auf der Haut spüren. 

So würde die Pflege nicht nur zu einem Erlebnis in einer Wohlfühlatmosphäre sondern auch zu einem Abenteuer und einer ganzheitlichen Erfahrung.

Bis Weihnachten sollen unsere Jüngsten in die Unterwasserwelt eintauchen und sie mit allen Sinnen genießen können. Und für das neue Kalenderjahr steht das nächste Pflegebad-Projekt auf der To-Do-Liste, denn wo eine Unterwasserwelt zu finden ist kann ein Dschungel nicht weit sein…

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